Mittwoch, 8. Februar 2012
 
W-E-R & PROSOYA Info 3/2010


Leonie Galler, die FSJlerin in PROSOYA-Quillazu berichtet im Juli 2010 aus dem Mädchenprojekt:

Neues aus PROSOYA Quillazú: Liebe Schüler der Walter-Erbe-Realschule! Mein Name ist Leonie Galler und ich bin, nachdem ich mein Abitur an einer Schule am Stadtrand Kölns bestanden hatte, im letzten August aufgebrochen, ein Jahr lang im Projekt PROSOYA in Peru einen Freiwilligendienst zu machen. Inzwischen bin ich also schon seit zehn Monaten hier im Mädchenprojekt PROSOYA Quillazú und lebe mit den Mädchen zusammen, die ihr unter anderem mit den Verdiensten aus eurem Weihnachtsbasar unterstützt. Zuerst einmal möchte ich euch Schüler, Lehrer und Eltern, die ihr die Jugendlichen hier in Peru unterstützt, ganz herzlich von den 13 Mädels hier grüssen. Ich habe nämlich eben am Mittagessenstisch erzählt, dass ich für euch einen kleinen Bericht schreibe, damit ihr einen Einblick in unseren Alltag hier bekommt. Und da wurde ich gleich beauftragt, herzlich zu grüssen. Im Moment herrscht hier, genau wie bei euch auch, der Schulalltag vor: Nachdem wir morgens um sieben alle zusammen gefrühstückt haben, die Hühner, Hunde, Katzen, Enten versorgt sind, der alltägliche Hausputz vollendet und die Küche aufgeräumt ist, machen sich zwölf der Mädchen auf zur Schule, die zum Glück nur 100m entfernt liegt. Hier tragen alle Schuluniformen. Eines der Mädchen ist schon fertig mit der Schule und fährt jeden Morgen nach Oxapampa, weil sie dort studiert. In der Schule haben alle Unterricht bis 13.45 Uhr. Unterrichtet werden die üblichen Fächer: Spanisch, Mathe, Naturwissenschaften, Sport, Englisch. Trotzdem ist hier die Schulbildung wesentlich schlechter als die, die wir in Deutschland kennen: Schon mal einen Englischlehrer gehabt, der seine Unterrichtssprache nicht wirklich beherrscht, ganz zu schweigen von der richtigen Aussprache? Auch Grammatik (z.B. Was ist ein Verb?) kann kaum jemand, auch wenn es in der Schule eigentlich unterrichtet werden sollte. Gottseidank ist aber die Schule, auf die die Mädchen gehen, im Vergleich zu Anderen in der Gegend sehr gut. Ausserdem unterstützen wir Freiwilligen (mit mir ist noch Jana Heim für ein Jahr hier in Quillazú) die Mädchen: Bei den Hausaufgaben und vor Allem auch, indem wir je zweimal wöchentlich Deutsch und Englisch unterrichten. Während die Mädels also in der Schule sind, sind nur Jana, ich, Magdalena (die Chefin des Projektes) und Rosa (die Köchin) hier im Projekt. Wir regeln dann den Schreibkram, arbeiten im Garten, auf unserem Feld, waschen Wäsche oder helfen beim Kochen, je nachdem was so anfällt. Dann kommen auch schon die Mädchen wieder und wir machen je nach Wochentag weiter mit ihnen in ihrem Programm: Handarbeitsunterricht, Pralinenherstellung, ein Imker kommt einmal pro Woche und bringt uns alles Wichtige der Bienenzucht bei, wir gehen alle in den Garten, um z.B. Unkraut zu zupfen, Deutsch- oder Englischunterricht, wir misten den Hühnerstall aus oder was sonst noch so ansteht. Diese Arbeiten und Lerneinheiten an den Nachmittagen sind ein wichtiger der Teil des PROSOYA-Konzeptes: Die Mädchen sollen nicht nur mit einer abgeschlossenen Schulbildung, sondern auch mit möglichst vielen praktischen Fähigkeiten aus dem Projekt in ihr späteres Leben entlassen werden. In den letzten Wochen und Monaten konnten wir uns über Langeweile nicht beschweren: Dort, wo wir den Urwald mit neuen Bäumchen aufgeforstet hatten, mussten wir nun mit den Macheten ausrücken, damit das ganze Gestrüpp, was schon wieder gewachsen war, die Bäume nicht am Wachsen hindert. Auf unserem Feld musste Mais geerntet und einige Wochen später Kaffee gepflanzt werden. Eine neue Lehrerin für den Kunst- und Handarbeitsunterricht der Mädchen wurde eingestellt und somit sind alle mit viel Enthusiasmus dabei, Schlüsselanhänger, kleine Püppchen und noch vieles Andere herzustellen. In unserem kleinen Gemüsegarten musste die Erde umgegraben und gepflanzt werden. Uber Bienenzucht lernen wir auch Einiges: Einmal pro Woche kommt ein Imker und bringt den Mädchen sowohl Theorie als auch Praxis der Bienenzucht bei, denn bald werden wir selbst mit der Zucht beginnen: Wir haben bereits einen geeigneten Ort ausgesucht, um die Bienenstöcke aufzustellen, haben dort den Boden geebnet und alles vorbereitet, sodass jetzt nur noch die Bienenstöcke gebracht werden müssen. Gleichzeitig sind im Moment einige Arbeiter dabei, einen neuen, grösseren Hühnerstall zu bauen: 500 Hühner werden wir bald haben anstatt der vorherigen 70. Sie kriegen einen grossen Stall mit Freilaufgehege. Bald kommen dann noch andere Projekte auf uns zu:



 


Imkerinnen bei der Arbeit




Bienenunterricht

Bald kommen dann noch andere Projekte auf uns zu: Wir werden mit der Meerschweinchenzucht beginnen (in Peru werden Meerschweinchen als Delikatesse gegessen – wirklich lecker!) und eine Regenwurm-Kompostierungsanlage anlegen, um fruchtbare Erde sowohl für den Kräuter- als auch Gemüsegarten zu gewinnen. So, nun wisst ihr denke ich alles Aktuelle aus PROSOYA Quillazú, dem Mädchenprojekt. Ich kann nur sagen, dass hier wirklich alle sehr danbar für eure Unterstützung sind und man jeden Euro, der hier ankommt, gut nutzt, damit die Mädchen (oder in PROSOYA Huancabamba Jungen) die besten Voraussetzungen für eine bessere Zukunft haben.
Es geht ihnen hier wirklich gut: Wir sind wie eine grosse Familie, lachen und weinen zusammen, lernen voneinander und wir “Erzieher” helfen, dass die Mädchen, die aus teilweise katastrophalen Verhältnissen zu uns gekommen sind, nach und nach eine gute Erziehung erhalten.
Sie werden mit viel Liebe aber auch Strenge zu wichtigen Werten erzogen. Gerade auch für mich kann ich sagen, dass ich plötzlich 13 kleine Schwestern bekommen habe, von denen ich wirklich jede einzelne sehr lieb gewonnen habe. Ganz liebe Grüsse aus Peru Von Evelen, Mayda, Maria, Ruthmery, Chana, Leydie, Thalia, Edith, Yenny, Geraldine, Auria, Ibeth, Alexandra, Jana, Leonie, der Köchin Rosa und den beiden Erzieherinnen Magdalena Kroll und Melne Goza




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