Samstag, 19. Mai 2012
 
    
 
     



 

Sondersendung Schülerradio
Mo. 29.03.10


Einblick in das Leben in einer Vollzugsanstalt – Besuch in unserer Schule

Alles, was in Vollzugsanstalten passiert, passiert hinter hohen Mauern und hinter verschlossenen Türen. Klar, oder? Sonst wäre es ja auch kein richtiges Gefängnis. Und deswegen kriegen wir, die Öffentlichkeit, natürlich nicht soviel von dem mit, was in dieser „kleinen Welt für sich“ so abläuft. Und wenn wir etwas erfahren, dann eben durch die Presse. Und die berichtet eben gern nach dem Motto „Bad news are good news!“ Ausbrüche sind in den Schlagzeilen. Korrupte Beamte sind in den Schlagzeilen. Beides gibt es aber so selten!

Wir hatten 3 Gäste zu unserer Radio-Sondersendung in die Walter-Erbe-Realschule Tübingen eingeladen. Herrn Eyth, einen Justizvollzugsbeamten, der sich gemeinsam mit einem Häftling und Herrn Fischer, dem Verantwortlichen im Pädagogischen Dienst zu einem Interview bereit erklärt hatten. Die Aula unserer Schule war voll besetzt und alle hörten gespannt zu.

Es gibt sicherlich viele, die im Justizvollzugsdienst arbeiten. Menschen die ihren Dienst sehr ernst nehmen. Justizvollzugsbeamte gewährleisten die Ausbruchssicherheit, die Disziplin unter den Gefangenen, die Versorgung der Gefangenen, die Überwachung der Gefangenen, die ordnungsgemäßen Tagesabläufe mit ganz festen Zeiten und Regeln, die eingehalten werden müssen, damit der „Laden läuft.“ Für die Sicherheit in Rottenburg sind 270 Bedienstete zuständig. 162 sind uniformiert und direkt mit dem Wachdienst betraut. Folgende Informationen erhielten wir von Herrn Eyth:

Herr Eyth hat uns geschildert, wie sein Arbeitseinsatzplan in Rottenburg aussieht und was seine Aufgaben sind. Aufmerksam muss man sein, höflich, aber bestimmt und mit der nötigen Distanz, um mit den Gefangenen richtig umgehen zu können.
Er schilderte uns das gute Arbeitsklima in Rottenburg und dass auch Frauen als Vollzugsbeamte arbeiten.
Über einen zweiten Bildungsweg hat er sich für die Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten entschlossen und diese Entscheidung nicht bereut.
Täglich wechselnde Situationen und immer wieder aufregende Ereignisse machen den Arbeitsalltag abwechslungsreich.

Strafgefangene sind Personen, die eine Haft- bzw. Freiheitsstrafe wegen einer entsprechend im Gesetz geahndeten Straftat in einer Justizvollzugsanstalt verbüßen. Gegen Ende der Haft besteht meist die Möglichkeit des tageweisen oder längeren Urlaubs aus der Haft, um sich eine Wohnung oder eine Arbeitsstelle zu suchen.

Es gab viele Fragen an den Inhaftierten. Sowohl während des Interviews und natürlich auch danach in vielen  persönlichen Gesprächen. Hier ein kleiner Auszug:

Wie viele Strafgefangene sitzen in der JVA Rottenburg ein?

Momentan sind es rund 630.

Verraten Sie uns, warum Sie in der Haftanstalt sind?

Ich habe einen riesengroßen Fehler gemacht. Nach meiner Verhaftung wegen schweren Raubes wurde ich zu 7 Jahren Haft verurteilt. Ich hoffe, dass ich nach Beendigung meiner Ausbildung und weiterhin guter Führung vielleicht schon nach 6 Jahren entlassen werde.




 
Welchen Beruf haben Sie erlernt?
Keinen! Ich habe erst jetzt meinen Hauptschulabschluss nachgemacht und konnte so die Ausbildung zum Koch beginnen.

Warum haben Sie sich zu diesem Interview bereit erklärt?
Wenn die Chance besteht, auch nur einen Jugendlichen durch Öffentlichkeitsarbeit von einer Straftat abzuhalten, dann war diese Veranstaltung erfolgreich.

Wie sieht Ihre Freizeit aus?
Neben Ballsportarten wie Fußball, Volleyball, Basketball und Tischtennis werden auch Aikido-Kurse angeboten, die jeder nutzen kann. Malkurse sowie Yoga-Kurse die unter fachlicher Anleitung angeboten werden. Deutschkurse, Literaturkurse, Kurse zur Entlassungsvorbereitung und Gesprächsgruppen, die sich mit Themen wie Gewalt und Suchtproblemen auseinandersetzen sind bei uns im Angebot. Computerkurse, die mit einem Zertifikat abgeschlossen werden, vervollständigen das Freizeitprogramm in der Justizvollzugsanstalt.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft nach dem Strafvollzug?
Nach dem erfolgreichen Hauptschulabschluss und meiner Ausbildung zum Koch hoffe ich, draußen wieder auf eigenen Füßen stehen zu können.

Welche Angebote nutzen Sie in Ihrer Haftanstalt?
Wir halten uns häufig im Freien auf, nutzen aber auch Werkstätten und sozialtherapeutische Betreuung.

Die Arbeit des Pädagogischen Dienstes umfasst ein vielfältiges Spektrum. Viele Gefangene verfügen weder über schulische noch berufliche Abschlüsse. Außerdem zeigen sie meist Defizite im sozialen Verhalten und in der Allgemeinbildung. So betreut er die unterschiedlichsten Bildungsangebote im allgemein- und berufsbildenden Unterricht, um den Gefangenen, nach ihrer Entlassung, verbesserte Eingliederungschancen in die Gesellschaft zu ermöglichen. Der Pädagogische Dienst dient als Bildungsberater und stellt mittels verschiedener Tests die Eignung der Gefangenen für diverse Fortbildungsmaßnahmen fest.

Besteht für die Strafgefangenen die Möglichkeit, schulische Weiterbildung oder Schulabschlüsse zu machen?
Arbeit und Ausbildung dienen im Justizvollzug der Vermittlung, Erhaltung und Förderung der Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit des Gefangenen nach seiner Entlassung. Die Aus- und Weiterbildungsangebote entsprechen den Richtlinien der Kammern und berücksichtigen die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes.

Welche Ausbildungen können die Häftlinge in Rottenburg machen?
Momentan werden bei uns erfolgreich Teilköche mit 1-jähriger-, sowie Beiköche mit einer 3-jährigen
Lehrzeit  ausgebildet. Auch der Berufsschulunterricht wird vom zuständigen Küchenmeister der Anstalt in
Zusammenarbeit mit mir in unserer „Schloss-Schule“ durchgeführt.

Mit einem Dank und einem kleinen Geschenk für unsere Gäste endete ein Einblick in das Leben und Arbeiten in der Vollzugsanstalt Rottenburg. Viele persönliche Fragen konnten noch in aller Eile gestellt werden, denn im Anschluss lief der Unterricht wieder normal weiter.



Impressum
Copyright 2008 Walter-Erbe-Realschule
aktuelle Platzierung in der Topliste bei www.schulhomepage.de