Mittwoch, 8. Februar 2012
 
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Ein Leben im Rollstuhl


Menschen, die mit einer körperlichen Behinderung auf die Welt kommen, haben es schwerer, ihr Leben zu organisieren als gesunde Menschen. Sie haben das Leben nicht anders kennen gelernt, sind dementsprechend vielleicht manchmal neidisch auf Menschen ohne Behinderung, aber sie meistern ihren Alltag. Schlimmer ist es, wenn gesunde Menschen durch einen Unfall oder eine Krankheit plötzlich an den Rollstuhl gefesselt sind. Dann müssen sie tiefgreifende Veränderungen und Umstellungen meistern und zusehen, wie sie klar kommen. Seelische Tiefs sind die Folge und sehr großer Frust. Hier ist ihr Umfeld gefragt, diesen Menschen neuen Lebensmut zu geben und sie, soweit dies möglich ist, neu zu motivieren.

Für einen Rollstuhlfahrer, der seine Lebensumstände akzeptiert, ist vieles anders, jedoch kann er mehr bewältigen, als man ihm vielleicht auf den ersten Blick zutraut. Dennoch kann es Hürden geben, die für sie (fast) unüberwindlich sind.

Wir waren mit dem Rollstuhl unterwegs, um heraus zu finden, wie rollstuhlfreundlich Tübingen wirklich ist. Auf dem Weg zur Stadt konnten wir schnell feststellen, dass bei Unebenheiten selbst das Schieben eines Rollis nicht ganz einfach ist. Aus eigener Kraft waren manche Bordsteinkanten nicht zu meistern.

Am Bahnhof haben wir uns getrennt, um uns in zwei Gruppen auf die Suche nach Behindertentoiletten zu machen. Schon der Zugang zu den Toiletten war oft ein Problem:
Enge Gänge, schmale Türen, Toiletten ohne Haltegriffe. Manchmal waren die Türen sogar verschlossen und es musste nach dem Schlüssel gefragt werden. Große Lokalitäten und Firmen waren erstaunlicherweise schlechter ausgestattet als erwartet. Insgesamt war unsere Ausbeute eher enttäuschend: „Ich hätte mir Tübingen rollstuhlfreundlicher vorgestellt!“

Die meisten Leute sind uns freundlich begegnet und waren auf Nachfragen hilfsbereit und nett.

Auf dem Heimweg durch die Unterführung versuchten wir die Steigung alleine im Rollstuhl zu meistern. Das war ein richtiger Kraftakt, der für ältere Menschen sicherlich nicht machbar ist.

2008 wurde Tübingen als „Barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg“ vom Land ausgezeichnet. Seit rund 15 Jahren bietet der Bürger- und Verkehrsverein Tübingen die Rolli-Tour durch die Altstadt an. Menschen im Rollstuhl und deren Begleiter haben es jedoch sicherlich nicht leicht, Unebenheiten, Kopfsteinpflaster und andere Probleme in den Griff zu bekommen. Alleine sind diese Hürden nur schwer zu überwinden.

„Das war eine wirklich gute Erfahrung und seitdem habe ich großen Respekt gegenüber Menschen im Rollstuhl!“ (Schüleraussage)


  

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